Warum sind wir so verliebt in Vintage Fashion?

Für die Generation unserer Großeltern ist Mode aus zweiter Hand vor allem eines: Ein guter Weg, um das Budget zu schonen. Doch, auch wenn es der ein oder andere US-Rapper so besingt, für Millennials ist Second-Hand-Shopping keine reine Sparmaßnahme. Dafür spricht schon allein die Preisgestalung hipper Vintage-Boutiquen. Aber warum ist es uns so viel Wert, Mode mit einer Vorgeschichte zu besitzen? Und warum nimmt mittlerweile beinahe jedes Fashionlabel Anleihen an den Trends des letzten Jahrtausends? In der heutigen Reportage wollen wir gemeinsam Antworten auf diese Fragen finden.

Vintage Fashion: Gebrauchtes Glück

Mit den tiefgründigen Zeilen „I wear your granddad’s clothes – I look incredible“ besang der US-Künstler Macklemore vor knapp 6 Jahren erstmals ein Phänomen, das die Lifestyle-Kultur heute mehr prägt, als jemals zuvor. In der ersten Hymne über das Thrift-Shopping ist noch von 20 Dollar als einem angemessenen Budget für einen Gebrauchtmoden-Großeinkauf die Rede, heute müsste man hier in vielen Fällen wohl ein bis zwei Nullen anhängen, um wirklich „hella dope“ auszusehen.

Denn zwischen Second-Hand- und Vintage-Fashion muss mittlerweile strikt unterschieden werden:

Ebenso, wie zwar jeder Dackel ein Hund ist, aber nicht jeder Hund ein Dackel, ist zwar jedes Vintage-Teil irgendwie aus zweiter Hand, aber noch lange nicht alles in der Kategorie Second-Hand qualifiziert sich auch als Vintage.

Der feine Unterschied

Doch welche Kriterien entscheiden letztendlich, was den Titel Vintage verdient hat (und somit mehr wert ist, als so manches neu produzierte Kleidungsstück) und was im Gegensatz dazu in der 1€ Wühlkiste der Gebrauchtwarenhändler endet? Die Antwort liefert hier, wie so oft das allmächtige Gesetz von Angebot und Nachfrage. Im konkreten Fall von gebrauchter Kleidung bedeutet das:

Alles, was wir Millenials selbst als Neuware erstanden haben könnten, schafft es im Normalfall nicht in eine Vintage Boutique. Diese Dinge sind entweder ein Fall für die Altkleidersammlung oder den nächstbesten Flohmarkt. Anders verhält es sich mit den modischen Relikten aus der Jugend unserer Eltern und Großeltern. Du weißt schon, genau jene Teile, die unser eins wie einen verborgenen Schatz auf Dachböden oder in Kellern ausgräbt.

Was bereits vor der Jahrtausendwende produziert und getragen wurde, erfüllt prinzipiell schon die Definition „Vintage“ – wenn dann noch ein vergilbtes Designer-Logo auf dem Etikett prangt, kommt das in Expertenkreisen einem Jackpot gleich.

Ein gutes Gefühl zum Überziehen

Das begrenzte Angebot, die große Nachfrage und die der aufwändige Sortier- und Aufbereitungsprozess seitens der Verkäufer rechtfertigt also den teilweise saftigen Preis. Doch worauf gründet eigentlich unsere über die letzten Jahre gewachsene Faszination für Vintage Mode? Hierauf eine Antwort zu suchen, grenzt schon stark an soziologische Spekulation, aber es gäbe da schon die ein oder andere plausible Hypothese…

Der bemerkenswerteste Satz, den ich aus meiner Schulzeit mitnehmen konnte war:

„Ihr seid die erste Generation seit dem letzten Weltkrieg, die es nicht besser haben wird, als ihre Eltern.“

Mein Wirtschaftslehrer hat damit sehr treffend die Grundangst der Generation Y umschrieben. Und ich glaube dass, auch wenn wir es uns nicht wirklich eingestehen wollen, gerade wir Millennials insgeheim am stärksten am „Früher-war-alles-Besser“- Problem zu knabbern haben und nicht unsere Großeltern, denen wir das so gerne vorhalten.

Wie sonst ließe es sich erklären, dass wir ultra hochauflösende Digitalfotos so aussehen lassen, als wären sie vor unserem Geburtsjahr aufgenommen worden? Und dass wir mit Begeisterung auf anachronistische Geräte wie Polaroidkameras und Plattenspieler zurückgreifen? Oder eben, dass wir genau jene Kleidung tragen wollen, die unsere Eltern und Großeltern trugen, als alles nur besser werden konnte?

Gut, du siehst, ich mutmaße hier ein wenig ins Blaue. Aber in einer Sache wirst du mir vielleicht Recht geben: Vintage, das ist nicht nur einfach ein Kleidungsstil – das ist ein Stück weit auch ein Gefühl. Und diese Emotion in uns und in anderen abzurufen, ist es schon mal wert, ein bisschen tiefer ins Börserl zu greifen.

Vom Dachboden auf den Catwalk

Was den Vintage Trend jedoch auch im aktuellen Fashion-Business so präsent macht ist, dass sich mittlerweile die Design-Komponente vom zunehmend vom Zeit-Aspekt löst. Produzenten aller Preisklassen nehmen Anleihen an des Fashion-Klassikern des ausgehenden 20. Jahrhunderts und machen den Vintage-Händlern so ein stück weit das Revier streitig.

In gewisser Weise springen diese Wiederbelebungen alter Schnitte und Muster in Neuware auch auf den Vintage-Zug auf und spielen so rein über das Look & Feel mit unseren Emotionen. Und das macht sich bezahlt – denn Gefühl ist und bleibt das beste Verkaufsargument.


So, nun haben wir also gemeinsam hinter die Kulissen des Vintage-Hypes geblickt. Ich für meinen Teil kann sagen, dass mich all diese Überlegungen eigentlich nur noch mehr in meinem Faible für Gebrauchtes und gebraucht Aussehendes bestärken. Denn das Bewusstsein, dass mir etwas ein positives Gefühl gibt, rechtfertigt auch seinen Platz in meinem Kleiderschrank!

Und wie stehst du zu diesem Thema? Lass uns plaudern, ich bin schon gespannt!

Kommentar (1)

  1. Pinkback: Taschen-Trends 2018: Die schönsten Second-Hand und Vintage Must-haves!

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